Das Bett ist groß genug und Lena schmiegt sich an ihre Mama. Sie spürt ihre Rippen durch das dünne Nachthemd, sie riecht den Mama-Zitronen-Duft an ihrem Hals. Ganz vorsichtig hat Lena den Arm um Mamas schmale Taille gelegt. Kurz nur hält die Tochter die Mutter so eng umschlungen. Bis ein Hustenanfall ihren Körper durchschüttelt und Lena ihren Arm zurückzieht. Aus Angst, er könnte für die Mama zu schwer sein
Lenas Mama ist vor drei Wochen ins CS Hospiz Rennweg übersiedelt. Lena mag Mamas Zimmer, das der Sonne zugewandt ist. Jeden Tag kommt sie nach der Schule und breitet ihre Geschichten und Hausübungen vor Mama aus. Manchmal ist Mama müde und kann kaum die Augen offen halten, dann legt sich Lena zu ihr ins Bett und singt ihr etwas vor. Am schönsten ist es, wenn sie leise mitsingt – „Der Mond ist aufgegangen…“
Schmetterling, flieg!
Dass Mama Krebs hat und sterben wird, weiß Lena. Mit Silvia Langthaler, einer der Psychotherapeutin des „Roten Anker“ in der CS, die Kinder und Jugendliche bei der Verabschiedung eines geliebten Menschen begleiten, spricht Lena über ihre Gefühle: „Was passiert mit meiner Mama, wenn sie nicht mehr lebt?“ Eine große Frage, auf die niemand eine Antwort hat. Gläubige Menschen feiern zu Ostern die Auferstehung, das ewige Leben nach dem Tod sei für Kinder nicht greifbar, sagt Psychotherapeutin Langthaler. „Bilder helfen Kindern dabei, mit Trauer umzugehen“, erklärt sie weiter, „das Bild von der Raupe, die ein Schmetterling wird, sei eines, so die Psychotherapeutin, das die Verwandlung zeige. „Jeder kennt das Buch von der kleinen Raupe Nimmersatt, der Raupe, die immer mehr frisst, bis sie fast zerplatzt, die nicht weiß, wozu es gut ist und die dann auf wundersame Weise aus dem Kokon ausbricht, sich als Schmetterling von ihrer Last befreit und in den Himmel fliegt.“
Ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben Schmetterlinge und Raupen für den „Roten Anker“ gehäkelt. Verwandlung zum Angreifen, Mitnehmen und Erinnertwerden:
„Die Entstehung des Schmetterlings symbolisiert die Leichtigkeit, die Transformation. Der Ballast wird abgeworfen und aus der Hülle erhebt sich etwas Neues, etwas Wunderschönes.“
Den Körper zurücklassen
Lena hat bei Silvia Langthaler einen gehäkelten Schmetterling bekommen. Den hat sie wie ihre Mama Susanne genannt und ihn an ihre Schultasche gehängt. Der Gedanke, dass Mama nach ihrem Tod ihren Körper zurücklassen werde, weil sie ihn als Schmetterling nicht mehr brauche, gefällt Lena.
Wenn Mama einen guten Tag hat, will Lena mit ihr hinausgehen auf die Terrasse und vielleicht begegnen sie einem Schmetterling. Mama wird ein gelber Schmetterling, da ist sich Lena sicher. Gelb ist Mamas Lieblingsfarbe.
Liebevolle Begleitung
Kinder und Jugendliche in ihrer Trauer beizustehen, sie zu stärken und aufzufangen, ist ein wichtiges Anliegen der CS. Bitte unterstützen Sie die Arbeit des „Roten Anker“ mit ihrer Spende - damit Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen wie Silvia Langthaler individuell auf jeden jungen Menschen, der ein Familienmitglied verloren hat, eingehen und ihm ein Anker sein können.